Herr Prof. Dr. Hans Reinecker studierte Psychologie und PĂ€dagogik und der UniversitĂ€t Salzburg (W. J. Revers; E. Roth; I. A. Caruso, wo er 1973 promovierte und als UniversitĂ€tsassistent am Institut fĂŒr Psychologie tĂ€tig war.

Ab 1975 leitete er die Psychologische Beratungsstelle am Institut und grĂŒndete die Arbeitsgemeinschaft fĂŒr Verhaltensmodifikation gemeinsam mit zwei Kollegen.

Nach seiner Habilitation (1980) ist er seit 1982 Inhaber des Lehrstuhls fĂŒr Klinische Psychologie und Psychotherapie / UniversitĂ€t Bamberg. Hier baute er die Forschungs- und Beratungsstelle und eine Psychotherapeutische Ambulanz auf. Neben der Lehr- und ForschungstĂ€tigkeit ist er kontinuierlich verhaltenstherapeutisch und als Supervisor tĂ€tig. Ab 1989/90 wurde der ein Weiterbildungsgang fĂŒr Psychologische Psychotherapeuten (CIP-Bamberg) aufgebaut und von Herrn Prof. Dr. Reinecker geleitet.

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Auszug aus dem Interview mit Prof. Dr. Hans Reinecker:

H. Reinecker: Zum ersten Mal mit Verhaltenstherapie konfrontiert worden bin ich zu einer Zeit, als ich noch studiert habe. Das war Anfang der 70er Jahre in meiner Studienzeit in Salzburg und zwar durch Vorlesungen und Seminare von zwei Kollegen, die jetzt in Deutschland sind. Das eine war Dieter Schwarz, Dr. Dieter Schwarz, der damals dann Leiter der Klinik in Windach geworden ist, vorher Max-Planck-Institut, und Roman Ferstl. Das waren ...

Ach so, die waren beide in Salzburg?

H. Reinecker: Nein, die waren in MĂŒnchen und waren Lehrbeauftragte in Salzburg. Dann gab es einen Lehrauftrag von Prof. Perrez, also damals Dr. Perrez, der dann danach nach Berlin gegangen ist. Deshalb war ich auch oft in Berlin. Einige Amerikaner, Ernest Posner, den kennen wenige Leute wahrscheinlich, ein Kanadier, der hat ein ganz gutes Buch in dieser blauen Reihe "Fortschritte der Klinischen Psychologie" ĂŒber Grundlagen der Verhaltenstherapie geschrieben; der war damals Gastprofessor bei uns.

Und relativ bald natĂŒrlich durch Fred Kanfer. Das eigentlich erst, als ich mit dem Studium schon fertig war. Also das war so die Erst-Kenntnis. Dann habe ich Verhaltenstherapie durch die Notwendigkeit kennen gelernt, selbst praktisch tĂ€tig zu werden. Ich habe 1973, als ich mein Studium fertig hatte, an der psychologischen Beratungsstelle - so hieß das damals - der UniversitĂ€t in Salzburg gearbeitet.

So etwas wie eine formale Psychotherapie- oder VT-Ausbildung gab es nicht, wir sind wirklich in ein Becken mit eiskaltem Wasser gestoßen worden. Und als wir vor den ersten Patienten saßen, hatten wir eigentlich ĂŒberhaupt keine Ahnung von Klinischer Psychologie. Wir hatten relativ viel Ahnung von klassischer Diagnostik, von Leistungsdiagnostik und tiefenpsychologischer Diagnostik, aber sehr bald wurde klar, dass Dinge auch Ă€nderungsrelevant werden. Wir sind gefragt worden, "Was sollen wir mit den Jugendlichen tun", delinquente Jugendliche, verwahrloste junge MĂ€dchen, Angstprobleme, depressive Probleme, Partnerprobleme und, und, und.

Da haben wir uns sehr rasch mit ein paar Leute zusammengetan, auch von der Nervenklinik in Salzburg. Das war der Dr. Crombach, Gerd Crombach, der jetzt noch in Innsbruck ist, er ist dort Psychiater ... Und der Dr. Mackinger, der war damals Psychologe an der Landesklinik. Wir waren eine Dreiergruppe, die sich im Grunde regelmĂ€ĂŸig getroffen hat und ĂŒber Patienten referiert hat. Wir haben gesagt "Was machst du mit dem, was machst du mit dem, was macht man ...". So haben wir FĂ€lle aus der Klinik und FĂ€lle von uns vorgestellt und haben uns einfach kontinuierlich selbst fortgebildet. Das war fĂŒr uns dann auch der Anlass, eine kleine Intervisions- oder Supervisionsgruppe zu bilden, da haben sich dann sehr rasch ein paar Studierende angeschlossen. Und daraus hat sich etwas entwickelt, was die AVM im geworden ist. Ich weiß nicht, ob Sie das schon einmal gehört haben?

Ja, ja.

H. Reinecker: Die haben wir 1975 formal gegrĂŒndet, also Crombach, Mackinger und ich. Und im Grunde war die AVM damals ein Arbeitskreis der DGVT. Formal gesehen ...

Ich selbst war eigentlich zunĂ€chst nicht unbedingt therapeutisch oder praktisch orientiert, ich weiß nicht, ob das fĂŒr Sie interessant ist, ich selbst war vom Studium her ganz anders orientiert: wissenschaftstheoretisch und zwar ganz formal wissenschaftstheoretisch. Popper, StegmĂŒller, Carnap, Wittgenstein, das waren meine Götter, wenn man so sagen darf. Ich war sehr an formalen Sachen interessiert, formale Lerntheorien, mathematische Lerntheorie, Entscheidungstheorie, aber auch durchaus Kognitionspsychologie. Das war mein Zugang, die formalen Lerntheorien waren eigentlich mein Zugang zur VT.

... Ich habe mir von der VT versprochen und erwartet, einigermaßen zielfĂŒhrend mit KlientInnen und Klienten arbeiten zu können. Ich habe sehr viel Psychoanalyse mitgekriegt, sehr, sehr viel ...

Im universitÀren Bereich oder ...?

H. Reinecker: Im universitÀren Kontext, an der Uni. Igor Caruso war einer der Lehrstuhlinhaber bei uns, und viele andere ... Es war vieles psychodynamisch orientiert. Und ich habe das gerne aufgesogen und gerne mitgekriegt. Ich wollte auch eine Ausbildung machen, eine Psychotherapieausbildung. Nur war völlig klar, eine Psychoanalyseausbildung kann ich mir nicht leisten. Ich will nicht sagen, dass es daran gescheitert ist. Ich hÀtte es wahrscheinlich nicht durchgezogen, weil das eigentlich auch von der Persönlichkeit her nicht das war, was ich machen wollte.

Mir war auch sehr rasch klar: Mit Psychoanalyse kannst du mit Unterschichtklienten eigentlich nicht arbeiten. Die hĂ€tten mich nicht verstanden, wenn ich da vom Ödipuskomplex oder wenn ich von VerdrĂ€ngung rede. Bis ich denen das erklĂ€re, das war unsinnig.

Also von uns ist sehr rasch verlangt worden: Ärmel aufkrempeln und gleich etwas tun. Nicht? Wenn ein Suizidant irgendwo gestanden ist, da kannst du nicht sagen "Ja, kommen Sie in vier Wochen und dann schauen wir weiter, dann machen eine Diagnose, machen vielleicht eine Langzeittherapie oder so etwas". Da hat mir der zupackende gemeindepsychologische, auch ins Setting gehende Ansatz der VT sehr gut gefallen. Also das habe ich damals recht gut und recht rasch mitgekriegt. Sehr viel davon war stark autodidaktisch, das muss man ganz klar sagen. Dadurch, dass wir ein Arbeitskreis der DGVT waren, habe ich 1978 (so zirka) dann auch eine VT-Ausbildung bei der DGVT abgeschlossen.